Musikschule der Stadt Löhne nach über zwei Jahren wieder für den Unterricht bereit

Die Musikschule in Löhne wurde am 16. Juli wieder ihrer Bestimmung übergeben

Grevenbroich/Löhne, 16. Juli 2013   Die neue Musikschule der Stadt Löhne wurde nach eineinhalb jähriger Bauzeit am 17. Februar 2011 nach feierlicher Übergabe durch die Stiftung für Kunst und Baukultur Britta und Ulrich Findeisen von den Mitarbeitern, Musiklehrer und Schülern der Musikschule in Besitz genommen. Das Gebäude hat eine Nutzfläche von 895 m² bzw. ein Bruttogeschoßfläche von 1.557 m². Sie liegt in einem neuen städtebaulichen Entwicklungsgebiet der Stadt und bildet einen architektonischen und kulturellen Schwerpunkt im Kontext mit der Werretal-Halle, der VHS, Jugendkunstschule, dem Kulturamt und der Stadtbücherei. Die Platzfläche vor der neuen Musikschule ist für Markt- und Stadtfestnutzungen und auch als Verweilfläche für die Bürger der Stadt vorgesehen.  Zwei Skulpturen, ein Posaunist und eine Tänzerin, der Bildhauerin Susanne Wehland  und von Prof. Joachim Schmettau aktivieren die Fläche vor der Musikschule.

Außenansicht der Musikschule von der Werretal-HalleDas dreigeschossige, nicht unterkellerte Gebäude lehnt sich in seiner Gestaltung an die Prinzipien der „klassischen Moderne“ an. Im Erdgeschoß liegen die publikumsintensiven Nutzungen, wie die Verwaltung und der Orchestersaal mit seinen Neben- und Technikräumen. Über einen zentralen Treppenraum und einen Fahrstuhl gelangt man in die beiden Obergeschosse. Diese sind in einen „lauten“ Flügel für Saxophon, Klavier oder Schlagzeug etc. und einen „leisen“ Flügel für Streicher und Gitarre etc. unterteilt. Jedes Obergeschoss verfügt über Wartezonen für die Musikschüler. Die von der Stiftung für Kunst und Baukultur Britta und Ulrich Findeisen getragenen Baukosten belaufen sich auf rund 3.000.000 EUR/brutto.

 

Aufteilung der Geschosse

Abbildungen: Gebäudeansicht von der Werretal-Halle (links oben), Entwurfszeichung zur Nutzung des Musikschulgebäudes (unten)

Der Betrieb der Musikschule läuft seit April 2011 interimsweise wieder in den Räumlichkeiten der alten Musikschule. Für die Sanierung des Gebäudes, diversen Umbauarbeiten wie bspw. Einbau von Deckensegeln zur Verbesserung der Akustik im Orchestersaal und den Einbau einer Lüftungsanlage, die als zusätzliche Maßnahme eine nachhaltige Verbesserung der Raumluftqualität auch ohne die standardmäßige manuelle Lüftung über die Fenster sicherstellen soll, wurden von der Stiftung weitere 375.000 EUR nach Fertigstellung des Gebäudes investiert.

Arbeitsgruppe “Musikschule Löhne” als Steuerungsgremium eingesetzt

Geruchsauffälligkeiten im Gebäude und vereinzelt auftretende gesundheitlichen Beeinträchtigungen bei Verwaltungsmitarbeitern der Schule veranlassten die Stadt Löhne und die Stiftung das Bremer Umweltinstitut (BUI) mit Durchführung von Raumluftuntersuchungen und Materialprobenahmen zu beauftragen. Eine Arbeitsgruppe, bestehend aus Vertretern der Stadt Löhne (Bürgermeister, Baudezernat, Dezernat für Jugend und Soziales, Amtsleiter der Stadt Löhne), der Leitung der Musikschule, dem leitenden Architekturbüro, Vertretern der bauausführenden Firmen und einem vereidigten Sachverständigen wurde unter der Führung der Stiftung für Kunst und Baukultur Britta und Ulrich Findeisen implementiert.

Nach Vorlage eines ersten Ergebnisberichtes am 1. April 2011 zu den Untersuchungen vom 28. März 2011 und der folgenden detaillierten Analyse der Messwerte, die bei einzelnen flüchtigen organischen Verbindungen in ihrem Konzentrationsbereich deutlich über den Richtwerten I bzw. II lagen, wurde vorsorglich zum Schutz der Mitarbeiter und Besucher der Schule, die Nutzung des neuen Musikschulgebäudes nach einer Nutzungszeit von nur rund sechs Wochen am 8. April 2011 ausgesetzt.

Die Arbeitsgruppe beriet über das Sanierungskonzept und definierte die Sanierungsziele, die den Richtwerten I entsprechen. Die Prämissen für den erfolgreichen Abschluss der Maßnahmen lauten:
1. Wir dulden keine Überschreitung von Richt- und Auffälligkeitswerten,
2. wir wollen keine belästigenden Geruchsauffälligkeiten und
3. wir akzeptieren keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen.

Beim TVOC-Zielwert, also der Summe der flüchtigen organischen Verbindungen, wird ein Wert unter 300 μg/m³ angestrebt. Dieser TVOC-Wert gilt als hygienisch unbedenklich. Bei dieser Konzentration ist nach gegenwärtigem Erkenntnisstand auch bei lebenslanger Exposition keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu erwarten.

Bodenöffnung mit TrittschalldämmungEine umfangreiche Quellenrecherche umfasste die verarbeiteten Produkte (z.B. Bodenbeläge, Fugendichtmasse, Reinigungsmittel), die Verarbeitung (Produktkombinationen, Anwendungsfehler, Materialtiefe, Feuchtigkeit, Lüftung in Anschluss der Verarbeitung) dieser Produkte, das Raumklima (Bauteilerwärmung, “Luftdichte” Gebäudehülle, Lüftungskonzept) und die Nutzung (Lüftungsverhalten, Produktanwendung). Identifizierte Gefahrenquellen (wie. z.B. Fugendichtungen, Bodenbeläge, EPS-Dämmschichten, usw.) die mutmaßlich zu einer Belastung der Raumluft geführt hatten, wurden umgehend beseitigt. Die Quellenrecherche sowie entsprechenden Sanierungsvarianten wurden unter fachkundiger Begleitung evaluiert, beraten und durchgeführt. Dazu wurden u.a. neue Baumaterialien definiert, getestet und verbaut.

Prof. Ulrich FindeisenSanierungsbedingt wurden in den letzten zwei Jahren verschiedenste Raumluftmessungen durchgeführt. Ziel der Untersuchungen war es, die Quellen der nachgewiesenen Verbindungen eindeutig zu bestimmen und das Abklingen der Konzentrationen sowie den Rückgang der Belastungen im Zuge der  durchgeführten Maßnahmen zu kontollieren und zu dokumentieren. Die Ergebnisse der rund 14 Messungen des BUI bestätigen das Sanierungskonzept, da ein konstanter Rückgang der festgestellten Belastungen vorliegt und die Sanierungsziele erreicht wurden (siehe auch Tabelle 4). Diese sorgsame und verantwortungsvolle Vorgehensweise hat immer wieder zu erhebliche Zeitverzögerungen und letztendlich zu einer Nutzungsaussetzung von über zwei Jahren geführt. “Die Sanierung der Musikschule benötigt die Zeit, die sie braucht. Da gehen wir keine Kompromisse ein. Erst wenn alle Sanierungsziele erreicht sind, können wir sagen, wann die Musikschule wieder einziehen kann”, lautete die von Beginn an ausgegebene Maxime des Stifters Prof. Ulrich Findeisen.

Das Gebäude selbst wurde durch die Stiftung bezugsfertig zur Verfügung gestellt. Lediglich die Kosten des laufenden Betriebs und die Personalkosten werden von der Stadt Löhne getragen.

Mit dem Abschluß der Sanierungsmaßnahme und der erfolgreichen Freimessung des Gebäudes wird die Musikschule wieder an die Stadt Löhne für die Wiederaufnahme des Musikschulbetriebes übergeben.

Zur Sicherstellung der völligen Transparenz und Nachvollziehbarkeit hinsichtlich der Ergebnisse und des Erfolges der Sanierungsmaßnahme veröffentlicht die Stiftung die Untersuchungsergebnisse im einzelnen.

Veranlassung und Ziel der Raumluftuntersuchungen

Bremer UmweltinstitutUm den Erfolg der durchgeführten Sanierungsmaßnahmen in der Musikschule zu überprüfen, wurde das Bremer Umweltinstitut von der Stiftung für Kunst und Baukultur mit der Durchführung der Raumluftuntersuchungen (Freimessung) vor dem Bezug der Räume beauftragt. Dipl.-Ing. Michael Obeloer,  öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Schadstoffe in Innenräumenbiomess, Ingenieur- und Sachverständigenbüro GmbH, wurde mit der Supervision des Prüfungsauftrages beauftragt. Die Inspektion der Räume und die Entnahme der Raumluftproben waren zunächst für den 05.02.2012 vorgesehen. Aufgrund eines Defektes der Heizungsanlage waren an diesem Termin die Räume überwiegend zu kalt. Lediglich die Räume im 1. OG rechts wiesen Temperaturen oberhalb von 19 °C auf. Die Beprobung der Räume wurde daraufhin auf den 13.02.2012 ff. terminiert. Zu diesem Zeitpunkt war die Funktionsfähigkeit der Heizungsanlage hergestellt.

Die Inspektion der Räume und die Entnahme der Raumluftproben am 13.02.2013 und am 14.02.2013 erfolgten in Gegenwart von Dipl.-Ing. Obeloer und Herrn Jarosch, Stiftung für Kunst und Baukultur, durch Frau Dr. Hofmann, Bremer Umweltinstitut. Die Beprobungen erfolgten überwiegend in  den bisher untersuchten Räumen sowie ergänzend in exemplarisch ausgewählten Bereichen. Die Untersuchung der Raumluftproben (11 Räume) erfolgte auf flüchtige organische Verbindungen (VOC) hin sowie ergänzend auf Aldehyde und Ketone (4 Räume). An vier Messpunkten wurden mittels Datenlogger die Raumtemperatur und relative Luftfeuchte aufgezeichnet. Die Untersuchungen zielten darauf ab, die Raumluftkonzentrationen flüchtiger organischer Verbindungen in der Musikschule nach der Wiederherstellung der Räume zu ermitteln, um den Erfolg der durchgeführten Sanierungsmaßnahmen abschließend hinsichtlich ihrer Freigabe für die Nutzung zu bewerten.

Die Freimessung durch das Bremer Umweltinstitut am 13. und 14. Februar 2013 schließt die gesamte Messreihe vom Anfang am 28. März 2011 bis zum Abschluss der Sanierungsarbeiten unter vergleichbaren Mess- und Rahmenbedingungen ab und ermöglicht somit eine konsequente und belastbare Betrachtung der Entwicklung aller während der letzten zwei Jahre genommenen Messergebnisse. Die Stiftung und die Stadt Löhne legten hierzu höchste Maßstäbe an und sahen es als unabdingbar an, die vom Umweltbundesamt heraus gegebenen und für die Sachverständigen verbindlichen Vorgaben kompromisslos einzuhalten.

Ergebnisdarstellung der Freimessung durch das Bremer Umweltinsitut

(Auszug aus dem Prüfbericht H 7159 BB vom 10. April 2013)

Raumvorbereitung, Inspektion und raumklimatische Parameter

Die Lüftungsanlage war nach Angaben von Herrn Obeloer am 12.03.2013 abends abgeschaltet worden. Alle Fenster sowie Innentüren und Flurtüren waren zunächst geschlossen. Die Probenahmen für das Szenario „gelüftet“ erfolgten am 13.02.2013 ab 14:00 Uhr. Die Lüftungsanlage wurde nach Angaben von Dipl.-Ing. Obeloer am 13.02.2013 gegen 18 Uhr eingeschaltet. Die Probenahmen für das Szenario „RLT ein“ erfolgten am 14.02.2013 ab 9:00 Uhr. Unterhalb der Zuluftschlitze wurden unterschiedlich starke Luftströmungen wahrgenommen. In dem Raum 1.11 waren Anlagengeräusche – eventuell aus dem angrenzenden Nebenraum – hörbar. In dem Gebäude war ein Kautschukgeruch feststellbar, der deutlicher in den Fluren und im Treppenhaus insbesondere im EG wahrgenommen wurde. Auch in den gelüfteten Räumen bzw. während des Betriebs der Lüftungsanlage war der Geruch noch wahrnehmbar. Die bei den Raumluftprobenahmen für das Szenario „gelüftet“ gemessenen Raumlufttemperaturen lagen zwischen 22,8 °C und 24,6 °C. Die durchschnittliche relative Luftfeuchte betrug 22 % (Minimum 21 %; Maximum 23 %). Bei eingeschalteter Lüftungsanlage sank die relative Feuchte zum Zeitpunkt der Probenahme auf einen Durchschnittswert von 17 % (Minimum 14 %; Maximum 21 %) ab. Die Raumlufttemperaturen erreichten von 20,3 °C bis zu 26,7 °C. Höhere Raumlufttemperaturen wurden in den Räumen mit direkter Sonneneinstrahlung gemessen.

Ergebnisse der Raumluftuntersuchungen auf flüchtige organische Verbindungen (VOC)
Die nachfolgenden Tabellen zeigen die Untersuchungsergebnisse für die Sanierungsparameter Styrol, Benzaldehyd, Benzothiazol und TVOC sowie die als relevante Kontamination vorgefundene Verbindung Tetrachlorethen (PER) für die Szenarien:

A) gelüftet: Probenahmen am 13.02.2013 nach manueller Fensterlüftung, ohne Betrieb der Lüftungsanlage (RLT),
B) RLT ein: Probenahmen am 14.02.2013 nach und während des Betriebs der Lüftungsanlage.

Abbildungen: Tabellen 1 bis 3 aus dem Untersuchungsbericht

Für Styrol wurden im EG niedrige Raumluftkonzentrationen ermittelt. In den manuell gelüfteten Räumen „Schulleitung“ und „Konferenz“ lagen die Konzentrationen bei 6 μg/m³ bzw. 5 μg/m³. Bei Betrieb der Lüftungsanlage wurden an den vier Messpunkten im EG noch Konzentrationen von 1 μg/m³ bis 3 μg/m³ gemessen. Auch im 1. OG lagen – bis auf den Messpunkt im Flur – vergleichbare Konzentrationen vor. Im Flur (vor Raum 1.5) lag die Styrolkonzentration bei eingeschalteter Lüftungsanlage bei 8 μg/m³. In dem Raum 1.4, in dem der Estrich und die EPS-Dämmung ausgebaut worden waren, war Styrol bei eingeschalteter Lüftungsanlage in der Raumluft nicht nachweisbar. Etwas höhere Styrolkonzentrationen wurden im 2. OG gemessen. In den manuell gelüfteten Räumen 2.4 und 2.9 wurden für Styrol 8 μg/m³ bzw. 10 μg/m³ nachgewiesen. In der Wartezone 2.8 lag die Styrolkonzentration nach manueller Lüftung bei 29 μg/m³. Der Betrieb der Lüftungsanlage ergab hier einen Rückgang auf 11 μg/m³ während in den Räumen 2.5 und 2.9 bei eingeschalteter Lüftungsanlage jeweils 2 μg/m³ für Styrol gemessen wurden.

In mehreren der untersuchten Räumen wurde der Chlorkohlenwasserstoff Tetrachlorethen (PER) nachgewiesen.  Die höchsten Konzentrationen wurden in den manuell gelüfteten Räumen im 1. OG gemessen. Mit 26 μg/m³ erreichte der Raum 1.11 die höchste Konzentration. In Raum 1.5 lag die PER-Konzentration bei 16 μg/m³. Im EG und im 2. OG lag die maximale PER-Konzentration bei 3 μg/m³. Die Benzaldehydkonzentration waren in allen untersuchten Räumen niedrig. Es wurden maximal 7 μg/m³ in dem Raum „Konferenz“ bei eingeschalteter Lüftungsanlage vorgefunden. Die Konzentrationen waren überwiegend bei manueller Lüftung geringer als bei technischer Lüftung.

Benzothiazol wurde in allen Räumen mit Kautschukboden in der Raumluft nachgewiesen. Im Saal, der mit Parkett ausgestattet ist, war Benzothiazol in der Raumluft nicht nachweisbar. Die Konzentrationen in den übrigen Räumen lagen bei 1 μg/m³ (gemessen in Raum 1.11 bei Betrieb der Lüftungsanlage) bis 9 μg/m³ (gemessen in Raum 2.9 nach manueller Lüftung). Der Betrieb der Lüftungsanlage erbrachte eine Reduktion der Benzothiazolkonzentration gegenüber der manuellen Lüftung.

Auch für die TVOC-Summenwerte wurden niedrigere Werte bei Betrieb der Lüftungsanlage gegenüber den manuell belüfteten Räumen ermittelt. Die Summenkonzentrationen der flüchtigen organischen Verbindungen (TVOC) lagen in den untersuchten Räumen bei Betrieb der Lüftungsanlage bei Werten zwischen 30 μg/m³ (Raum 1.4) und 180 μg/m³ Flur vor Raum 1.5). Der niedrigste Wert mit 30 μg/m³ (nahezu Außenluftniveau) wurde in dem Raum gemessen, in dem zusätzlich der ursprüngliche Estrich und das EPSDämmmaterial ausgebaut worden waren. Nach der manuellen Belüftung lagen die Werte bei 80 μg/m³ (Raum 1.11) bis 200 μg/m³  (Wartezone 2.8).

Weitere Verbindungen wurden überwiegend in niedrigen, unauffälligen Konzentrationen vorgefunden oder lagen unterhalb der Nachweisgrenze. Gegenüber den Referenzwerten als statistisch erhöht einzuordnen waren der Nachweis von Isobuten-Trimer in den manuell gelüfteten Räumen mit einer maximalen Konzentration von 3 μg/m³ und der Nachweis von Siloxan D5 bei Betrieb der Lüftungsanlage mit einem Höchstwert von 130 μg/m³ gemessen im Flur, EG.

Trotz der wahrnehmbaren Geruchsauffälligkeit im EG Flur waren die dort messbaren VOC-Konzentrationen sehr gering. In der nachfolgenden Tabelle sind die Konzentrationen für Styrol und die Summe der flüchtigen organischen Verbindungen (TVOC), die in Raum 2.4 in der Vergangenheit jeweils nach längerer Nichtbelüftung ermittelt wurden, aufgeführt.

Übersicht über die Raumluftkonzentrationen ausgewählter Verbindungen in Raum 2.4 zu verschieden Zeitpunkten der Probenahme, ungelüftet

Verlauf VOC

Abbildung: Tabelle 4

Vergleicht man die Ergebnisse der aktuellen Probenahme mit den Untersuchungsergebnissen für Styrol und den TVOC aus den letzten zwei Jahren in dem am häufigsten untersuchten Raum 2.4, so ist eine Bestätigung der niedrigeren VOC-Konzentrationen festzustellen.

Ergebnisse der Raumluftuntersuchungen auf Formaldehyd und Ethanal

Die Raumluftkonzentrationen für Formaldehyd in den manuell gelüfteten Räumen waren niedrig. Sie lagen bei 9 μg/m³ (Raum 2.9), 6 μg/m³(Raum 1.5) und 8 μg/m³ („Schulleitung“). Auch die Acetaldehydkonzentrationen waren mit 7 μg/m³ (Raum 2.9) und 5 μg/m³ („Schulleitung“) niedrig. Bei technischer Belüftung wurden Formaldehyd und Ethanal in den untersuchten Räumen nicht oberhalb der Nachweisgrenze ermittelt.

Die nachfolgende Tabelle zeigt die Raumluftkonzentrationen für Formaldehyd mittels DNPH/HPLC in den ungelüfteten Räumen. Auch diese Werte lagen deutlich unter den Zielwerten.

Abbildung: Tabelle 5, Raumluftkonzentrationen für Formaldehyd, ungelüftet, Probenahme 13.02.2013

Es wurden keine auffälligen Formaldehydkonzentrationen in den untersuchten Räumen vorgefunden. Auch die Acetaldehydkonzentrationen waren mit 11 μg/m³ bis 20 μg/m³ niedrig.

Im Rahmen der Freimessung wurde erstmals die bisher nicht auffällige Substanz Per (= Perchlorethylen bzw. = Tetrachlorethen) in Konzentrationen zwischen 1 µg/m³ bis 82 µg/m³ gemessen. Bei dieser Belastung handelt es sich nicht um eine primär baustoffbezogene Quellensituation, sondern die Belastung ist vermutlich auf die Art der chemisch gereinigten schallabsorbierenden Vorhängen zurückzuführen, die nach Abschluss der Sanierungsmaßnahmen von der Musikschule wieder in den Räumen aufgehängt wurden.

Die von den messenden Instituten eingesetzten Messverfahren für flüchtige organische Verbindungen sind derart empfindlich, dass auch zufällig eingetragene Substanzen sich in deutlich ausgeprägten Messwerten zeigen. Dasselbe gilt auch z.B. für Körperpflegemittel wie z. B.  Rasierwässer oder Parfüms, was sich in erhöhten Alkoholkonzentrationen widerspiegelt. Auch die üblichen Reinigungsmittel oder Bürogeräte wie Laserdrucker und Kopierer werden deutlichen Einfluss auf die sich einstellenden Raumluftkonzentrationen in Zukunft haben. Die Per-Werte werden bis zum Wiedereinzug in einigen Wochen mit Betrieb der Lüftungsanlage und das normale Lüftungsverhalten zu völlig unbedeutenden Werten entwickeln.

Bei Überprüfung der Messergebnisse gegen die Richtwerte für die Einzelsubstanzen wurden keine Richtwertüber- schreitungen festgestellt. Nach dem aktuellen Wissenstand war unter den  Messbedingungen keine gesundheitliche Gefährdung durch flüchtige organische Verbindungen in der Raumluft zu erwarten.

In den exemplarisch ausgewählten, noch unmöblierten, gelüfteten Räumen der sanierten Musikschule in Löhne waren die Raumluftkonzentrationen der untersuchten flüchtigen organischen Verbindungen überwiegend sehr niedrig. Die Probenahmen waren nach manueller Lüftung, bei abgeschalteter, technischer Lüftung (Szenario: „gelüftet“; entsprechend der Nutzungssimulation für Schulen ohne Lüftungsanlage) und während des Betriebs der Lüftungsanlage (Szenario: „RLT ein“) durchgeführt worden. In allen untersuchten Räumen wurde bei beiden Lüftungsvarianten ein nicht längerfristig zu überschreitender Zielwert für Belastungen der Raumluft mit flüchtigen organischen Verbindungen in Höhe von 300 μg/m³ zur vorbeugenden Vermeidung von  Gesundheitsbeeinträchtigungen deutlich unterschritten. Toxikologisch begründete Richtwerte wurden in keinem Raum überschritten. Auffällig war der Nachweis von Tetrachlorethen (PER) in mehreren Räumen. Die höchsten Konzentrationen wurden in den manuell gelüfteten Räume des 1. OG ermittelt. Eine Grenzwertüberschreitung für PER ist nicht zu erwarten. Im Rahmen einer Kontrollmessung am 30. April 2013 wurde ein deutlicher Rückgang des Wertes festgestellt.

Statistisch gesehen und nicht gesundheitsbezogen auffällig, waren die Konzentrationen von Isobuten-Trimer in den manuell gelüfteten Räumen und Siloxan D5 in den technisch gelüfteten Räumen.

In allen untersuchten Räumen waren die Formaldehydkonzentrationen sehr niedrig bzw. lagen unterhalb der Nachweisgrenze. Der Richtwert des ehemaligen Bundesgesundheitsamtes (BGA, mittlerweile BfR) von 120 μg/m³ (0,1 ppm) sowie weitere Vorsorge orientierte Richtwerte anderer Organisationen wurden deutlich unterschritten.

Die Untersuchungsergebnisse zeigen, dass mit den durchgeführten Sanierungsmaßnahmen und der kontinuierlichen, technischen Belüftung der Räume sehr niedrige VOC-Konzentrationen in der Musikschule erreicht werden können. Mittels Lüftungsanlage wurde gegenüber der manuellen Fensterlüftung bei abgeschalteter Lüftungsanlage in der Regel eine weitere deutliche Verringerung der Konzentrationen der untersuchten flüchtigen organischen Verbindungen bewirkt. Eine Konzentrationserhöhung einzelner Verbindungen bei Betrieb der Lüftungsanlage wurde für Siloxan D5 und Benzaldehyd festgestellt. Möglicherweise sind hierfür Quellen innerhalb der Lüftungsanlage verantwortlich. Die höheren TVOC-Werte sowie Styrol- und Benzothiazolkonzentrationen in den Flurbereichen sowie bei manueller Belüftung der Räume zeigen einerseits das Vorhandensein entsprechender Quellen im Gebäude aber auch die Wirksamkeit der Lüftungsanlage. In den Flurbereichen (Wartezonen und Gänge), in denen wurden sowohl bei manueller als auch bei technischer Belüftung – mit Ausnahme von PER – höhere VOC-Konzentrationen ermittelt wurden, waren Abluftkanäle jeweils am Ende des Gangs vorhanden. Die Zuluft in diesen Bereichen erfolgte indirekt über die Unterrichtsräume bzw. Büroräume. Die Untersuchungsergebnisse weisen auf ein niedriges Emissionspotenzial der im Zuge der Sanierung neu eingesetzten Bauprodukte.

Die Räume insbesondere die Flur- und Treppenhausbereiche wiesen einen „Kautschukgeruch“ auf. Der Geruchseindruck kann in geringem Umfang noch durch mögliche Sekundärkontamination ausgehend von dem vorhergehenden Bodenbelag und/oder durch Emissionen des neuen Kautschukbodenbelags verursacht werden. Der Geruch wurde subjektiv aus Sicht der Sachverständigen Dr. Hofmann als nicht belästigend eingestuft.

Zusammenfassend ist festzustellen, dass die vorgeschlagenen und bisher diskutierten Sanierungszielwerte für das Objekt bei Betrieb der Lüftungsanlage in den untersuchten Bereichen eingehalten wurden.

Bei manueller Lüftung wurde der vorgeschlagene Zielwert für Benzothiazol in Höhe von 5 μg/m³ überschritten. Bei diesem Wert handelt es sich nicht um einen toxikologisch abgeleiteten Richtwert, sondern um einen Erfahrungswert der bei Sanierungsvorhaben zur Vermeidung von Geruchsbelästigungen herangezogen wird.

Der Einbau einer Lüftungsanlage ist als Bestanteil des Sanierungskonzeptes aber auch in Hinblick auf die Sicherung des erforderlichen Mindestluftwechsels bei der Nutzung zum Beispiel in Bezug auf die CO2-Konzentration zu bewerten. Die Überprüfung der Einhaltung raumlufthygienischer Anforderungen soll bei Gebäuden, die mit einer Lüftungsanlage ausgestattet sind bei Betrieb der Anlage erfolgen. Messungen bei abgeschalteter Lüftungsanlage können ergänzend herangezogen werden, um mögliche Quellen im Objekt zu ermitteln.

Die durchgeführten Untersuchungen ergeben keine Hinweise auf gesundheitlich bedenkliche Belastungen durch flüchtige organische Verbindungen. Es bestehen in Bezug auf die untersuchten Verbindungen keine Bedenken hinsichtlich der Nutzung des Gebäudes.

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Abb.: Vorbereitung der Schlussmessung am 5. Februar 2013 in der Musikschule

Fazit des Bremer Umweltinstituts:

Bezugnehmend auf die Ergebnisse der Raumluftuntersuchungen auf flüchtige organische Verbindungen in der neuen Musikschule in Löhne gemäß den Untersuchungsberichten H 7159 BB und H 7440 BB ist festzustellen, dass in den gelüfteten Räumen – bei manueller und technischer Lüftung – keine Richtwerte I und II der Ad-Hoc-Arbeitsgruppe  Innenraumrichtwerte der Innenraumlufthygiene-Kommission (IRK) und der obersten Landesgesundheitsbehören (AOLG) überschritten und der Sanierungszielwert für den TVOC in Höhe < 300 μg/m³ erreicht wurden.

Dr. Heidrun Hofmann, 28.05.0213

Zusätzliche Messung eines weiteren Sachverständigen im Auftrag der Stadt Löhne

In Ergänzung zur Freimessung durch das Bremer Umweltinstitut beauftragte die Stadt Löhne den Diplom Biologen Dr. rer. nat. Rainer Bruns, Baubiologische Umweltanalytik, aus Papenburg mit der Durchführung von weiteren Messszenarien. Ziel dieser Untersuchung war es, zusätzliche Erkenntnis zum Sanierungserfolg zu erhalten. Die Ergebnisse wurden in einem gesonderten Gutachten (E303548/1) am 25. April 2013 in einer Sitzung des Arbeitskreises im Rathaus der Stadt Löhne vorgestellt und ergaben ein auffälliges und ungewöhnliches Substanz- und Belastungsspektrum in allen bei dieser Messung untersuchten Räumen. Es wurden sehr viel höhere TVOC-Werte (etwa Faktor 10) und hohe Konzentrationen u.a. für die Einzelstoffe DEGMB, 2-Ethylhexanol und Phenol, die bislang nicht  im Objekt festgestellt worden waren und die für Ausstattung der Räume und aktuelle Situation ungewöhnlich sind, ermittelt. Ungewöhnlich war auch, dass für diese Verbindungen keine Abnahme nach Einschalten der Lüftungsanlage festgestellt werden konnte. Insbesondere die festgestellten Abweichungen von einzelnen Werten wurden von der Stadt Löhne und und der Stifung für Kunst + Baukultur hinterfragt und zusammen mit den Gutachtern  fachkundig beraten

Um mögliche Ursachen für die Diskrepanzen zu ermitteln und den aktuellen Belastungsstatus in der  Musikschule erneut zu prüfen, beauftragte die Stadt Löhne Herrn Dr. Bruns, Baubiologische Umweltanalytik, und die Stiftung für Kunst und Baukultur Frau Dr. Hofmann, Bremer Umweltinstitut, weitere Raumluftmessungen in der neuen Musikschule zeitgleich durchzuführen.In dieser Kontrollmessung mit gegenseitiger Probenahme am 30. April 2013 durch die Sachverständigen Dr. Bruns und Dr. Hofmann wurden mögliche Fehlerquellen und ermittelt bzw. ausgeschlossen. Die Labor-Ergebnisse der Kontrollmessung (3005.2013)  von Dr. Bruns liegen seit dem 24.05.2013  sowie der Analysebericht (H 7440 BB) des Bremer Umweltinstiuts (BUI) seit dem 15.05 2013 vor.  Beide Ergebnissberichte haben einen sehr hohen Deckungsgrad und bestätigen die Ergebnisse der Freimessung vom 13.02. und 14.02.2013 des BUI . Der Abschlußbericht zur Kontrollmessung (Az: H 7440 BB) datiert vom 08. Juni 2013.

Kontrollmessung

Bei der gemeinsamen Wiederholung der Raumluftmessungen wurden die zuvor durch das Bremer Umweltinstitut festgestellten, überwiegend niedrigen Raumluftkonzentrationen in allen Untersuchungsvarianten bestätigt.

Es ist nicht davon auszugehen, dass es sich bei den durch Herrn Dr. Bruns in hohen Konzentrationen im Objekt ermittelten Stoffen um Emissionen aus dauerhaft vorhandenen Quellen handelt. Es ist eher anzunehmen, dass eine Kontamination während der Probenahme stattfand. Da das Probenahmeequipment von Herrn Dr. Bruns bei der gemeinsamen Beprobung am 30.04.2013 nicht der Ausrüstung bei der Probenahme am 25.02.2013 entsprach, ist eine Vergleichbarkeit des Probenahmesystems nicht gegeben. Möglicherweise wurde durch ein vorgeschaltetes, neues Flowmeter bei der Probenahme am 25.02.2013 eine Kontamination verursacht. Zudem war die Probenahme am 25.02.2013 aufgrund des geringen Flusses der Pumpe über einen ungewöhnlich langen Zeitraum (60 Minuten) durchgeführt worden, so dass sich mögliche Abweichungen stärker auf die Probenahme auswirken konnten.

Ein von Herrn Dr. Bruns bei der Messung am 25.02.2013 mitgeführtes und nicht beladenes Röhrchen (Feldblindwert) war nachträglich durch Bremer Umweltinstitut untersucht worden. Es lag keine, bereits auf dem Adsorbens bestehende Kontamination vor.

Zusätzlich Untersuchung des Bandprobenraumes

Um ergänzend zu den für diese Messungen ausgewählten Räumen, in denen die Möglichkeit der Belüftung durch eine Lüftungsanlage gegeben war, einen Raum zu untersuchen, der nicht an die Lüftungsanlage angeschlossen ist und der vermutlich über einen längeren Zeitraum nicht belüftet wurde, beauftragte die Stadt Löhne das Bremer Umweltinstitut zusätzlich mit der Untersuchung des Bandprobenraumes auf flüchtige organische Verbindungen in der Raumluft. Eine Inspektion des Raumes und die Entnahme der Luftproben erfolgten am 30.04.2013 durch Frau Dr. Heidrun Hofmann. Die Untersuchung zielte darauf ab, die Konzentrationen flüchtiger organischer Verbindungen in dem weniger belüfteten Bandprobenraum zu ermitteln, um diese mit den Ergebnissen der vorangegangenen Untersuchungen zu vergleichen bzw. die Notwendigkeit weiterer Maßnahmen zu prüfen.

Die Untersuchung der Raumluft des Bandprobenraumes (H 7455 BB) ergab eine erhöhte Belastung durch flüchtige organische Verbindungen. Der Richtwert I für Styrol wurde in dem vermutlich längere Zeit nicht gelüfteten Raum mit einem Wert von 38 μg/m³ leicht überschritten. Auch die Konzentration der chlorierten Kohlenwasserstoffverbindung Tetrachlorethen (PER) war hoch, weiterhin auffällig war der Nachweis von 1,2-Dichlorbenzol. Der TVOC-Wert als Maß für die Summenbelastung durch flüchtige organische Verbindungen war mit 1100  μg/m³ ebenfalls deutlich erhöht.

Bei den nachgewiesenen Verbindungen handelt es sich neben den als PER-Quelle bewerteten Schallschutzvorhängen überwiegend um mögliche Emissionen des neuen Bodenbelags, die vermutlich  aufgrund des fehlenden Luftaustauschs in der Raumluft angereichert wurden. Mengenmäßig dominierend wurden Olefine, zu denen u.a. auch das trimere Isobuten gehört, nachgewiesen. In den  besser belüfteten Bereichen sind die Konzentrationen der hier in auffälligen Konzentrationen vorgefundenen Verbindungen deutlich niedriger. Als Emission aus der EPS-Dämmung im Unterboden sind die in erhöhter Konzentration nachgewiesenen, sehr leicht flüchtigen Pentanisomere einzuordnen.

Weitere Stoffe, wie die Glykolverbindungen 2-Butoxyethoxyethanol (DEGMB/DEGBE), die Alkohole 2-Ethylhexanol und Phenol sowie Siloxane, die bei den ersten Messungen von Herrn Dr. Bruns in sehr hohen Konzentrationen aufgetreten waren, wurden nicht nachgewiesen.

Die Untersuchungsergebnisse zeigen, dass in schlechter belüfteten Räumen erhöhte VOC-Konzentrationen auftreten können, wenn entsprechende Quellen vorhanden sind. Insbesondere im Zusammenhang mit neuen Produkten, ist zunächst mit höheren Emissionen zu rechnen, deren Abklingen durch eine intensive Belüftung unterstützt werden sollte. Für die Nutzung ist es erforderlich, Räume, die nicht mechanisch belüftet werden, ausreichend manuell zu lüften. Voraussetzung hierfür ist, dass geeignete Belüftungsmöglichkeiten, die eine möglichst effektive Belüftung gewährleisten, vorhanden sind. Vor der Nutzung des Bandprobenraumes sollte dieser intensiv belüftet werden. Um das Abklingen der Belastungen durch flüchtige organische Verbindungen zu prüfen, ist eine weitere Kontrollmessung zu empfehlen.

Die Stiftung für Kunst und Baukultur beabsichtigt daher, auch den Probenraum mechnisch zu be- und entlüften, um einer möglichen Belastung entgegen zuwirken. Der Einbau dieser Belüftung wird bis Ende Juli 2013 abgeschlossen sein.

Gesundheitliche Bewertung der Ergebnisse der Schadstoffuntersuchung

Die Berichte zur Kontrollmessung von Frau Dr. Heidrun Hofmann und Dr. Rainer Bruns wurden von der Stadt Löhne Frau Dr. Angelika Vogel, Ärztin  für Labormedizin und Umweltmedizin vom Labor Krone aus Bad Salzufeln zur Bewertung vorgelegt. Sie bestätigt, dass auch umweltmedizinischer Sicht gehen die Nutzung der Räume nach umfangreicher Sanierung und ausreichender Beprobung keine Bedenken bestehen. So ist auch ncht für besonders schützenwerte Personenkreise wie junge Kinder oder auch evtl. Säuglinget davon auszugegen, dass es zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen kommt.

Prüfverfahren:

A) Vorbereitung und Durchführung der Probenahme
Zur Vorbereitung der Luftprobenahme war mit dem Auftraggeber folgendes vereinbart worden: Fenster und Türen der zu untersuchenden Räume sollten vor der Begehung über eine Dauer von ca. acht Stunden geschlossen gehalten werden. In den Räumen sollte während dieser Frist nicht geraucht werden. Die Raumtemperatur sollte ca. 20 °C betragen. Die Probennahme erfolgt nach Möglichkeit in der Mitte des Raumes in einer Höhe 1 bis 1,5 m (nach VDI 4300 Blatt 1).

B) Prüfverfahren zur Untersuchung der Raumluft mittels Thermodesorption
Die Durchführung erfolgt nach DIN EN ISO 16.000-6:2004-12.
1. Probenahme mit Thermodesorptionsröhrchen auf Mehrbettsystem (Tenax TA und Carbopack X) i.A. ISO 16.000-6
2. Thermische Desorption der Röhrchen bei 240 °C
3. Trennung, Identifizierung und Quantifizierung kapillargaschromatographisch mittels GC-MS

Die Berechnung des TVOC erfolgt durch Aufsummieren der auf einer unpolaren GC-Säule zwischen n-Hexan und n-Hexadekan bestimmten Substanzen. Dabei werden zusätzlich zu den quantitativ bestimmten Substanzen die restlichen Peaks zwischen n-Hexan und n-Hexadekan vereint und über den Responsefaktor von Toluol quantifiziert.
Zur Bestimmung des TVOC über Toluol erfolgt die Quantifizierung über alle Peaks in dem Retentionszeitbereich zwischen n-Hexan und n-Hexadekan über den Responsefaktor von Toluol.

C) Prüfverfahren zur Untersuchung von Materialproben mittels dynamischer Headspace
1. Überführung der Probe in leere Thermodesorptionsröhrchen
2. Thermische Desorption der Röhrchen bei 70 °C
3. Identifizierung und Quantifizierung kapillargaschromatographisch mittels GC-MS

D) Prüfverfahren zur Untersuchung der Raumluft auf Formaldehyd und Ethanal
Die Prüfung erfolgt analog DIN ISO 16 000 – 3:2002-08, identisch mit E DIN ISO 16.000-3:2010-03.
1. Probennahme mit DNPH-Röhrchen
2. Elution mit Acetonitril
3. Trennung, Identifizierung und Quantifizierung mittels HPLC-PDA

Grundlagen und Rahmenbedingungen zu den Raumluftuntersuchungen

Handreichung des Umweltbundesamtes als Grundlage der Beurteilung der Innenraumluft

Zur Beurteilung der Raumluft gibt es eine dezidierte Stellungnahme des Umweltbundesamtes in Form einer Handreichung an Sachverständige, die im Bundesgesundheitsblatt Umweltbundesamtveröffentlicht wurde. Der vollständige Text aus dem Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforsch – Gesundheitsschutz 2007, 50:990–1005  kann in der Onlinepublikation vom 21. Juni 2007  nachgelesen werden. Die Zielstellung dieser Handreichung ist wie folgt beschrieben: Um möglichen Unsicherheiten und Divergenzen in der Bewertung und daraus resultierenden Irritationen der Betroffenen und Streitigkeiten vorzubeugen, wurde die Handreichung zur Beurteilung von Innenraumluftkontaminationen mittels Referenz- und Richtwerten von der Ad-hoc-Arbeitsgruppe der Innenraumlufthygiene-Kommission des Umweltbundesamtes und der Obersten Landesgesundheitsbehörden erarbeitet. Diese Handreichung aus dem Bundesgesundheitsblatt ist in Fachkreisen unumstritten. Sie bezieht sich auch schwerpunktmäßig auf die Beurteilung von flüchtigen organischen Verbindungen (VOC), gilt aber auch für andere innenraumrelevante Stoffe, für die Richt- oder Referenzwerte vorliegen. Deshalb wurde diese Handreichung als Grundlage der Beurteilung der Innenraumluft auch in der Musikschule der Stadt Löhne herangezogen.

Die Handreichung regelt dabei sowohl die Beurteilung der Werte als auch die Messstrategie und Vorgaben an die Lüftungsdauer. Gerade letztgenannter Faktor ist ausschlaggebend für die Höhe ermittelter Werte. Je länger ein Raum nicht gelüftet wird, umso höher sind die zu erwartenden Messwerte, wobei nach einer Dauer von 8 Stunden der schlechteste Fall in der Regel  erreicht wird und die Innenraumkonzentrationen emittierter Substanzen nicht weiter zunehmen. Zur Eignungsbewertung und gesundheitlichen Beurteilung sind aber Werte nach 8 Stunden Nichtlüftung in Schulgebäuden nicht geeignet. Deshalb legt die vg. Handreichung auch die Lüftungsbedingungen in Schulgebäuden explizit fest. Auf der Seite 1002 sind die Messbedingungen hinsichtlich der Lüftungsbedingungen, die zur Beurteilung in Schulgebäuden gelten, aufgrund Ihrer Wichtigkeit nochmals explizit als Tabelle 3 aufgeführt. Ansonsten verweist die Handreichung bezüglich der Messbedingungen und -durchführung auf die Richtlinie VDI 4300 und die Norm DIN EN 16500. Beide Richtlinien / Normen unterscheiden sich in ihren wichtigen Aussagen nicht voneinander, da die DIN EN 16500 von der VDI 4300 im Rahmen der europäischen Normen- Standardisierung abgeleitet wurde.

Auf dieser Grundlage hat die Stiftung am 12. Juni 2012 gemeinsam mit der Stadt Löhne die Lüftungsbedingungen bei Fensterlüftung  für die Messungen festgelegt (Lüftung über 15 Minuten, dann Fenster zu, Messung nach 2 Stunden). Nach dem zwischenzeitlich erfolgten Einbau der Lüftungsanlage sind die Messungen den vg. Richtlinien und Normen zufolge bei laufender Lüftungsanlage durchzuführen. Messungen des schlechtesten Falles wurden auch durchgeführt, ergeben aber zum Teil Werte, die zur Beurteilung der Raumluftsituation im Schulbetrieb nicht geeignet sind. Bei Ausfall der Lüftungsanlage besteht auch keinerlei Gefährdung, da einerseits die Emissionen aus der Baumasse nicht als „gefährlich“ zu bezeichnen sind, andererseits jederzeit die Fenster zur Abfuhr von CO2 und VOC geöffnet werden können. Desweiteren wurde konsequenter Weise die Messung in Form von „akkredierten Standardmessungen“ festgelegt. Um dies sicher zu stellen, wurde mit dem Bremer Umweltinstitut eine Organisation gewählt, die eine Akkreditierung (nach DIN 17025) für genau das Messverfahren „VOC- Messung“ nachweisen kann.

 

Beurteilungsgrundlagen zu Richtwerten von Schadstoffen

VerbindungRichtwert II
(mg / m³)
Richtwert I bzw.
Richt-/Zielwert
(mg / m³)
Referenzwerte
(mg / m³)
Neubau Oberwerte
(mg / m³)
Benzaldehyd0,2 mg / m³0,02 mg / m³0,03 - 0,1 mg / m³0,1 mg / m³
Styrol0,3 mg / m³0,03 mg / m³0,02 - 0,12 mg / m³0,19 mg / m³
Formaldehyd -0,120 mg / m³0,024 - 0,085 mg / m³0,060 mg / m³
Benzothiazol -- 0,01 - 0,03 mg / m³-
TVOC 3,0 mg / m³0,3 mg / m³0,3 bis 1,0 mg / m³0,5 bis 3,0 mg / m³
Geruch--nicht belästigendNeugeruch

Bei Konzentrationen oberhalb des RW II besteht unverzüglicher Handlungsbedarf, z.B. im Hinblick auf Sanierungsentscheidungen zur Verringerung der Exposition. Eine Schließung der Räume kann daher notwendig sein. Im Konzentrationsbereich zwischen RW I und RW II ist zunächst verstärkt zu lüften und zu reinigen. Wenn jedoch der Richtwert I nach wie vor überschritten wird, werden in  einem zweiten Schritt weitergehende Maßnahmen empfohlen. Die nachfolgende Empfehlung zur Anwendung von TVOC- Werten präzisiert das TVOC- Konzept von Seifert (1999) und gliedert sich in 5 Stufen.

Unter der Voraussetzung, dass die toxikologisch begründeten Richtwerte von Einzelstoffen nicht überschritten werden, gelten TVOC Referenzwerte wie folgt:

Stufe 1: TVOC- Wert < 0,3 mg/m³: hygienisch unbedenklich, Zielwert.

Stufe 2: TVOC- Wert >0,3-1 mg/m³: hygienisch noch unbedenklich, erhöhter Lüftungsbedarf.

Stufe 3: TVOC- Wert >1-3 mg/m³: hygienisch auffällig, befristet (< 12 Monate) als Obergrenze für Räume, die für einen längerfristigen Aufenthalt bestimmt sind.

Stufe 4: TVOC- Wert >3-10 mg/m³: hygienisch bedenklich, Raum befristet (maximal 1 Monat) und bei verstärkter Lüftung nutzbar.

Stufe 5: TVOC- Wert >10-25 mg/m³: hygienisch inakzeptabel. Die Raumnutzung ist allenfalls vorübergehend täglich (stundenweise) und bei Durchführung verstärkter regelmäßiger  Lüftungsmaßnahmen zumutbar.

TVOC  = Total Volatile Organic Compounds = Summe der leichtflüchtigen organischen Lösemittel

1) In Innenraumluft finden wir eine Grundbelastung mit Phthalaten, hier DIBP und DBP, die zudem stark schwanken kann. Der eindeutige Nachweis von DIBP und DBP kann erst oberhalb der Nachweisgrenze von 7 mg/m³ erfolgen.

Wird ein Referenzwert überschritten, sollte zunächst eine Plausibilitätsprüfung vorgenommen werden. Unter Berücksichtigung der Höhe der gefundenen Konzentration und der für die Substanz  bekannten toxikologischen Eigenschaften ist zu ermitteln, ob diese Referenzwert-Überschreitung gesundheitliche Relevanz haben könnte, um ggf. eine Kontrollmessung zu veranlassen. Ergebnisse von lnnenraumluft- Messungen hängen erheblich von der Messstrategie, Lüftungssituation und raumklimatischen Faktoren ab.

Allgemeine Informationen zu flüchtigen organischen Verbindungen, Wirkungen und Symptome

Unter flüchtigen organischen Verbindungen (englisch: „volatile organic compounds“, kurz: VOC) werden organische Verbindungen mit einem Siedepunkt von ca. 50 °C bis zu 250 °C bezeichnet. Dabei handelt es sich zum Teil um chemisch sehr unterschiedliche Substanzen, viele davon sind oder waren als Lösungsmittel bekannt.
Zu den häufigsten Quellen für VOC im Innenraum zählen verarbeitete Farben, Lacke oder Kleber, Fußbodenbeläge, Wandverkleidungen, Möbel oder der Einsatz einiger Reinigungs- und Pflegemittel. Auch modernere wasserbasierte Renovierungsprodukte enthalten häufig VOC, obwohl diese Produkte als „lösemittelfrei“ deklariert sind (die enthaltenen VOC sind dann ausgehend von einer strengen Definition keine Lösemittel, es handelt sich dann überwiegend um polarere, höher siedende Substanzen). Auch der Zigarettenrauch enthält eine Vielzahl an flüchtigen organischen Verbindungen. Die Raumluft kann einerseits über die Außenluft (Verkehr, Industrie) oder über die Emission aus den beispielhaft aufgeführten Quellen belastet werden.

Die meisten „klassischen“ organischen Lösemittel sind fettlösend, leichtflüchtig und hautresorptiv. Aufgrund dieser Eigenschaften können sie über die Atemwege und die Haut, aber auch über den Verdauungstrakt (also über die Nahrung) aufgenommen werden. Alle klassischen organischen Lösemittel besitzen, abhängig von der Konzentration und der Dauer der Belastung, eine narkotisierende und meist auch nervenschädigende Wirkung. Außerdem kann es zu Augen- und Schleimhautreizungen und “diffusen Beschwerden” wie Müdigkeit, Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen und Abgespanntheit kommen. Auch von den aus moderneren Renovierungsprodukten abgegebenen VOC besteht die Gefahr des Auftretens von Reizungserscheinungen oder anderer der genannten diffusen Beschwerden. Bei den Belastungen kann grob zwischen akuten Schädigungen durch kurzzeitige, hochdosierte Lösemittelexposition und chronischen Schädigungen durch langzeitige Exposition geringer Lösemittelkonzentrationen unterschieden werden. Zu den bekannten akuten Schädigungen gehört beispielsweise das Austrocknen der Haut bei Kontakt mit Lösemitteln durch deren fettlösende Eigenschaften. Neben Haut und Schleimhäuten kann vor allem das Zentrale Nervensystem (ZNS) von akuten Schäden betroffen sein. Diese Schädigungen stellen sich bei erhöhten Konzentrationen rasch ein und klingen in der Regel auch recht schnell wieder ab, meist erholt sich der Organismus völlig und der gleiche Zustand wie vor der Belastung wird wieder hergestellt. Bei chronischen Belastungen durch VOC-Belastungen treten hingegen die Symptome erst im Laufe von Monaten oder auch Jahren auf und verstärken sich im Laufe der Zeit. Betroffen ist häufig das  periphere Nervensystem, was sich durch unspezifische zentralnervöse Symptome wie Müdigkeit, Schlafstörungen, Konzentrationsschwäche oder Vergesslichkeit äußern kann. Durch bestimmte  organische Lösemittel können auch Nieren, Leber und das Knochenmark geschädigt werden.

Allgemeine Informationen zu Gerüchen

Der analytische Nachweis von Gerüchen ist manchmal extrem schwierig bzw. im erforderlichen Konzentrationsbereich nicht möglich. Das bedeutet nicht, dass keine Substanzen vorliegen sondern vielmehr, dass sich diese Substanzen aufgrund ihrer physikalisch-chemischen Eigenschaften selbst der modernen Analytik entziehen bzw. nur mit unverhältnismäßig hohem Aufwand nachweisbar sind. Oft sind Gerüche auch nicht auf eine einzelne Substanz sondern auf verschiedene Verbindungen zurückzuführen, die sich z.T. auch im Vergleich zu den Einzelsubstanzen in ihrer Intensität extrem verstärken können. Unmittelbar krankmachende Wirkungen durch Gerüche sind lt. Literaturangaben bisher nicht nachgewiesen worden.

Geruch als solcher kann – unabhängig von der stofflichen Qualität der ihn verursachenden Stoffe – Belästigungen, Einschränkungen der Leistungsfähigkeit (zumindest bei der Ausführung komplexer Aufgaben) oder gar gesundheitliche Beeinträchtigungen verursachen. Dies geschieht durch die Auslösung von Verhaltensmustern, mit denen auf Geruchseinwirkungen reagiert wird. Als Mechanismen hierfür werden Stressreaktionen sowie Toxikopien genannt.

Werden Gerüche als Signale der Bedrohung aufgefasst, können sie Sorge, Angst und auch Aggressionen auslösen und eine als Stress-Symptom zu bezeichnende Symptomatik verursachen.
Unter Toxikopien ist die Entwicklung von Krankheitsbildern oder pathologischer Symptome als Folge einer vermeintlichen Vergiftung zu verstehen. Die betroffenen Patienten interpretieren bestimmte Signale oder Informationen (z.B. Gerüche) im Sinne einer drohenden Vergiftung und reagieren nach denen ihnen bekannten Mustern zur Gefahrenbewältigung (bspw. mit Erbrechen).

Literatur: 

BIA-Report 4/2001 Grenzwertliste 2000; Hauptverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften

BIA.Report 3/2001 Berechnungsverfahren und Modellbildung in der Arbeitsbereichsanalyse; Hauptverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften

Seifert, B.: Regulating Indoor Air in: Indoor Air 1990, Toronto, Vol 5, S. 35

VDI 6022 Blatt 3, Raumlufttechnik, Raumluftqualität – Beurteilung der Raumluftqualität, 07/2011

 

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